Dr. Heide Schmidt – Die „Grande Dame“ des Liberalismus in Österreich

Dr. Heide Schmidt – Die „Grande Dame“ des Liberalismus in Österreich

In der aktuellen Ausgabe der „Kitchen Talks“ ist die studierte Juristin, Ex-Politikerin und „Grande Dame“ des Liberalismus in Österreich Frau Mag. Dr. Heide Schmidt zu Gast, die im Laufe Ihrer beruflichen und politischen Karriere u.a. als Volksanwältin,
3. Nationalratspräsidentin, 2-fache Bundespräsidentschaftskandidatin 1992 und 1998 und Gründerin des Liberalen Forums 1993 in Erscheinung getreten ist.

Zu Ihrer Familiegeschichte befragt erzählt Heide Schmidt, dass Ihre Familie als Sudetendeutsche in Prag lebten. Nach dem 2. Weltkrieg musste die Familie im Zuge der Vertreibung der Sudetendeutschen die Tschechoslowakei verlassen und 1948 wurde Heide Schmidt in der Stadt Kempten im Allgäu geboren.

Heide Schmidt äußert in der Sudetenfrage für die Betroffenheit auf beiden Seiten Verständnis und bekennt, dass ihre eigene Familiengeschichte mit dazu geführt habe, dass sie eine besondere Sensibilität für geflüchtete Menschen entwickelt hat.

Anfang der 1950er Jahre kam Heide Schmidt mit Ihrer Mutter nach Wien und wuchs fortan in einem reinen Frauenhaushalt in dem Ihr u.a. Selbständigkeit und Eigenverantwortung und das Credo “Wo ein Wille dort ein Weg” vermittelt wurden.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums entschloss sie sich Rechtswissenschaften (JUS) in Wien zu studieren und Sie erzählt wie Sie im Laufe ihrer Karriere Ihr Bewusstsein für Fragen der Geschlechtergerechtigkeit entwickelt habe.

Auf die Frage wie sie zur FPÖ gekommen sei, beschreibt sie wie sich Anfang der 1970er Jahre SPÖ & ÖVP die Institutionen der Republik unter einander aufgeteilt hatten.
Dieses rot-schwarze Proporzsysem habe Sie selbst auch an Ihrer Arbeitsstelle im damals schwarz dominierten Bildungsministerium mitbekommen und Sie erklärt, dass es auch eine Trotz-Akt war zu sagen: „Ich gehöre zur (freiheitlichen) Minderheit“, zudem habe sie beim aufkeimenden liberalen Flügel der freiheitlichen Studenten Gleichgesinnte gefunden, die zusammen eine liberale Partei aufbauen wollten.

Mitte der 1980er Jahre war sie als von der FPÖ nominierte Volksanwältin jeden 3. Samstag im Fernsehen zu sehen & hatte daher eine bemerkenswerte öffentliche Wahrnehmung, womit sie zu einem Asset für die FPÖ wurde.

Bei der Wiener Landtagswahl 1987 erreichte die FPÖ fast 10% & der liberale Wiener FPÖ-Landesparteichef Erwin Hirnschall nominierte Heide Schmidt noch am Wahlabend für das der FPÖ nun zustehende Bundesratsmandat. An eben diesem Wahlabend 1987 lernte sie auch den damaligen FPÖ-Bundesparteiobmann
Dr. Jörg Haider persönlich kennen, der ihrer Nominierung als freiheitliche Bundesrätin sofort zustimmte.

Nur wenige Monate später bot ihr Haider mit den Worten „Du willst immer was für die Liberalen machen, also mach´“ das Amt der Generalsekretärin der FPÖ an. Schmidt nahm das Angebot an, da ihr Haider eine gewisse politische Autonomie zugesichert hatte, doch schon bald wurden deutliche inhaltliche Differenzen zwischen beiden sichtbar, so hätte Haider aus ihrer Sicht zu viele Kompromisse mit „irgendwelchen Rechten gemacht“ & das Ausländerthema viel zu sehr hoch gespielt.

Da Haider zu dieser Zeit aber jede Wahl gewann, war es sehr schwer für sie innerparteilich dagegen zu halten, denn in der internen Debatte komme man gegen das Argument „er gewinnt Wahlen“(für die Partei) nicht an & sie zieht diesbezüglich Parallelen zwischen Haider und Sebastian Kurz heute.

Sie wollte daher mit Ihrer FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatur 1992 ein Zeichen setzen, dass man auch mit einer anderen FPÖ-Wahlkampflinie wahlpolitischen Erfolg haben könne, doch trotz eines aus Ihrer Sicht respektablen Ergebnisses bei der Bundespräsidentschaftswahl 1992 wurde Ihr in der Folge rasch klar, dass sie die FPÖ nicht entscheidend im liberalen Sinne beeinflussen könne und sie verließ daher die Partei & gründete am 4. Februar 1993 zusammen mit anderen gleichgesinnten Freiheitlichen das Liberale Forum.

Die Frage, ob die liberale Demokratie in Gefahr sei, beantwortet sie mit „Ja“, denn wir würden wieder an der Schwelle zu einem autoritären Jahrhundert stehen.

Auf die Frage nach ihrer Definition & ihrem Verständnis von Liberalismus erklärt sie, dass es darum ginge, den „größt möglichen Freiraum für die größt mögliche Zahl von Menschen in einem Gemeinwesen zu ermöglichen“ und dass die „Möglichkeit zur Selbstbestimmung“ zentral sei. Die Aufgabe der Politik sei es, die Instrumentarien für diese Entfaltung der Bürger zur Verfügung zu stellen und sie grenzt sich klar vom Neoliberalismus ab, den sie schlicht für egoistisch hält.

Zur Rolle der Medien in der heutigen Zeit befragt erklärt Sie, dass Journalistinnen die Wächterinnen der Demokratie sind und auf den Klimawandel angesprochen macht sie klar, dass dieser sehr wohl real ist und Sie hält fest sich auch in Zukunft weiter für ausgewählte Projekte und für ihre Ideale einsetzen wird.

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