Die Zuse-Story | Wie ein Deutscher den Computer erfand



Konrad Zuse, Sohn eines preußischen Beamten, war passionierter Maler, verkannter Forscher und Tüftler, Träger des Bundesverdienstkreuzes, gescheiterter Unternehmer, Visionär – vor allem aber: Erfinder des ersten frei programmierbaren Rechners der Welt und damit des Computers.

Ein Patent wurde ihm jedoch mit der heute absurd erscheinenden Begründung “fehlende Erfindungshöhe” verwehrt. Heynen verbindet die Schlüsselstellen von Zuses Biografie mit der Wissenschafts-, Technologie- und Zeitgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Er nutzt dazu historisches Archivmaterial, dokumentarische Nachinszenierungen an Originalschauplätzen sowie Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern Konrad Zuses, Experten für Computer- und Technikgeschichte und dem Schriftsteller Friederich Christian Delius.

Konrad Ernst Otto Zuse (* 22. Juni 1910 in Berlin-Wilmersdorf; † 18. Dezember 1995 in Hünfeld bei Fulda) war ein deutscher Bauingenieur, Erfinder und Unternehmer (Zuse KG). Mit seiner Entwicklung der Z3 im Jahre 1941 baute er den ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Computer der Welt.

Die Z1 — ein „mechanisches Gehirn”

Da die statischen Berechnungen im Bauingenieurwesen sehr monoton und mühselig waren, kam Zuse die Idee, diese zu automatisieren. In seinem Tagebuch trug er im Juni 1937 ein: „Seit etwa einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Gedanken des mechanischen Gehirns.” Das Resultat war der 1938 fertiggestellte, elektrisch angetriebene mechanische Rechner Z1.

Er arbeitete als erster Rechner mit binären Zahlen und besaß bereits ein Ein- / Ausgabewerk, ein Rechenwerk, ein Speicherwerk und ein Programmwerk, das die Programme von gelochten Kinofilmstreifen ablas. Die Z1 arbeitete aufgrund von Problemen mit der mechanischen Präzision nie zuverlässig; die mechanischen Schaltwerke klemmten regelmäßig. Von Charles Babbage — den auch Zuse als „den eigentlichen Vater des Computers” anerkennt — hat er erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfahren.

Für die Z1 entwickelte Zuse die Methode der computergerechten Gleitkommazahlen auf der Grundlage von Mantisse und Exponent. Mit diesem Verfahren berechnet heute jeder gängige Computer, vom Taschenrechner bis zum Cluster, Gleitkommazahlen. Auch die weithin verwendete IEEE-754-Normierung, d. h. die Festlegung auf ein bestimmtes Gleitkommazahlenformat, ist eine Folge von Zuses Grundlagenarbeit.

Noch während er an der Z1 arbeitete, übertrug er die mechanische Schaltung in die elektromechanische Relaistechnik. Zuse erprobte sie zunächst an einem Prototyp Z2, den er 1939 fertigstellte. 1940 führte er das Gerät dem technischen Direktor der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt vor, der sich daraufhin bereit erklärte, die Entwicklung der Z3 mitzufinanzieren.

1941 baute Zuse in den Räumen des Ingenieurbüros, das er inzwischen gegründet hatte, die Z3. Es war ein vollautomatischer, in binärer Gleitkommarechnung arbeitender Rechner mit Speicher und einer Zentralrecheneinheit aus Telefonrelais. Berechnungen konnten programmiert werden, jedoch waren keine bedingten Sprünge und Programmschleifen möglich. Die Z3 gilt heute als erster funktionstüchtiger Computer der Welt.

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