Die Angst vor dem Frieden? | Moshe Zimmermann (Vortrag 2010)

Das Forschungs- und Studienprojekt »Globale Solidarität – Schritte zu einer neuen Weltkultur«, finanziert von der Rottendorf-Stiftung und seit über 20 Jahren an die Hochschule für Philosophie in München angebunden, will in interdisziplinärer wissenschaftlicher Reflexion zu einer weltweiten Gemeinschaft der Völker, Kulturen und Religionen beitragen. Veranstalter: Rottendorfer-Projekt der Hochschule für Philosophie vom 13. Dezember 2010. Hier ein Ausschnitt aus BR alpha – Denkzeit vom 05.02.2011.

In wissenschaftlichen Symposien und Kolloquien, der eigenen Veranstaltungsreihe »Fremde Kulturen und Religionen« im Rahmen des Lehrangebots der Hochschule für Philosophie, sowie der Buchreihe »Globale Solidarität – Schritte zu einer neuen Weltkultur« setzt es sich mit den Bedingungen und Möglichkeiten einer »neuen Weltkultur« im Kontext einer globalisierten Welt auseinander.

Quelle: http://www.hfph.mwn.de/einrichtungen/rottendorf?set_language=de

Die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern sind seit Jahren blockiert. Moshe Zimmermann zeigt auf, dass die israelische Gesellschaft mehr Angst vor jenen Kräften hat, die prinzipiell gegen jeden Verzicht auf besetztes palästinensisches Gebiet sind, als vor dem katastrophalen Zustand des Unfriedens. Er erklärt die historischen Hintergründe und aktuellen Folgen einer Politik, die den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt nicht durchbrechen kann.

Theodor Herzl, der Begründer der zionistischen Bewegung, hatte nur einen Wunsch: eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Ende des 19. Jahrhunderts war dieser Gedanke noch reine Utopie, aber sein Wirken war eine wichtige Voraussetzung für die Gründung Israels 1948. Herzl entwickelte ein idealistisches Bild eines modernen Staates und konzipierte ein Modell zur sozialen und politischen Ordnung, in der die in einem künftigen Judenstaat lebenden Araber und Juden friedlich koexistieren.

Was ist aus dieser Anschauung geworden? Benjamin Netanyahu, derzeitiger Ministerpräsident Israels, griff in einer Rede diesen Gedanken auf und nannte den Wunsch Herzls ‘eine scharfe Lösung der bestehenden Gefahr des Antisemitismus’. Was er dabei nicht erwähnte, war, Herzl bevorzugte einen gewaltfreien Staat. Netanyahus Fazit für Israel lautet: „Frieden im Nahen Osten ist ein über Abschreckung oder Gewaltanwendung zu erreichender Frieden.” (S. 13). Das impliziert, Frieden bedeute für Israel, Krieg zu führen, denn man finde nur Frieden, indem man seine Feinde in Schach halte.

Zimmermann kritisiert die schizoide israelische Denkweise: Kompromissbereitschaft wird als Schwäche ausgelegt. Die Ermordung des Friedenspolitikers Jitzak Rabin durch einen rechtsnationalistischen Attentäter beweist dies nur allzu deutlich. Die Politik, die weiterhin die Angst vor dem trügerischen Frieden schürt, das Militär, für die Frieden der Verlust ihres Status’ bedeutet und die nationalreligiösen Siedler, sind die Triga einer aggressiven Polemik.

Demgegenüber steht das junge, aufgeklärte israelische Volk. Ein Volk, das demokratisch denkt, das Wert auf Bildung legt und auf Prosperität setzt. Aber solange die minoritären Kräfte den wandelbaren Zeitgeist der Mehrheit der Bevölkerung von der Bedrohung des „Un”-Friedens überzeugen, wird sich die Lage in Israel nicht entspannen.

Der Historiker versäumt aber auch nicht, die realen Gefahren, denen Israel ausgesetzt ist, zu erwähnen. Allen voran der Iran, dessen Präsident Ahmadinedschad den Holocaust leugnet und das Existenzrecht Israels abspricht; umso wichtiger erscheint es, Frieden zu stiften.

Rezension von Svenja Brueck – Ganzer Artikel: http://www.Leser-Welt.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2638:die-angst-vor-dem-frieden-das-israelische-dilemma-moshe-zimmermann&catid=105:geschichte&Itemid=83

Quelle und Zusammenstellung: http://www.YouTube.com/user/DokuUndSo1

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