Deutschlands Schulden in Athen – Otto Köhler, Journalist, Buchautor, Publizist 15.10.12

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Vortrag von Otto Köhler, Journalist, Buchautor und Publizist vom 10.10.12 in Heidelberg, VHS veranstalet vom:Heidelberg Forum gegen Militarismus und Krieg/VVN-Heidelberg.

Über „Schuldenkrise”, deutsche Besatzung, Ausplünderung und Wehrmachtsverbrechen in Griechenland
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Die Griechen gehören zu denjenigen, die am meisten unter den Nazis litten. Ihnen wurde ihr Widerstandswille zum Verhängnis. Den Anfang machte ein legendäres Telegramm, das der in Athen herrschende Diktator General Metaxas im Oktober 1940 ans faschistische Italien schickte – als Reaktion auf Mussolinis Ultimatum zur Kapitulation. Es enthielt den schlichten Text “ochi” (nein), weshalb die Griechen bis heute jeden Oktober den “Ochi-Tag” feiern. Kurz darauf griffen die Italiener Griechenland an und wurden, obwohl zahlenmäßig überlegen, bis weit hinter die albanische Grenze zurückgedrängt.

Jetzt war Hitler gezwungen, seine Truppen zu schicken. Auch die stießen auf massive Gegenwehr. Als die Nazis am Ende gesiegt hatten, errichteten sie ein brutales Besatzungsregime, um aller Welt zu zeigen, was kleinen Ländern passiert, die sich nicht unterwerfen. Auf Kreta, das besonders umkämpft war, erging der Befehl, für jeden gefallenen Wehrmachtssoldaten zehn Kreter zu erschießen. 30 Inseldörfer wurden vernichtet. Insgesamt starben durch die Besatzung zwischen 1941 und 1944 mehr als 80.000 Griechen. 7,2 Prozent der Bevölkerung.

Zinslose Kredite für Hitler
Gleichzeitig ließen die Faschisten Produktionsmittel wie Autos und Maschinen nach Deutschland verfrachten. Ebenso die Ernte der Bauern. Die Kosten der Besatzung (“Aufbaukosten” genannt) musste Athen selbst tragen. Es dauerte nicht lange, da brach die Wirtschaft total zusammen. Historiker haben berechnet, dass Griechenland nach Polen, der Sowjetunion und Jugoslawien den größten materiellen Schaden im Krieg davontrug. Eine Schlüsselrolle bei den heutigen Forderungen Athens spielt die Tatsache, dass Hitler die griechische Nationalbank zwang, dem Dritten Reich zinslos Geld zu leihen. Die Gesamtsumme dieser Staatsanleihe betrug 476 Millionen Reichsmark, was heute zehn Milliarden Euro entspricht.

Im Herbst 1945 fand in Paris die erste Konferenz statt, in der über die Reparationen verhandelt wurde. Griechenland forderte damals zehn Milliarden US-Dollar, was von allen Konferenzteilnehmern als überzogen angesehen wurde. Vor allem die USA waren immer gegen zu hohe Reparationsansprüche, um die Entwicklung der Demokratie in Deutschland nicht zu gefährden. Und um ein zweites Weimar zu verhindern. So wurden Griechenland lediglich Sachleistungen zugesprochen: 30.000 Tonnen deutsche Industriegüter im Wert von rund 25 Millionen Dollar (heute ungefähr zwei Milliarden Euro). Diese Waren haben Griechenland jedoch nie erreicht.

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