Der kleine Junge und die Nazis | Kindertransporte nach England

Mit einem “Kindertransport” in Richtung England entkam Hans Richard Levy im Frühjahr 1939 dem Terror der Nazis. Doch was wurde aus dem kleinen Jungen von damals? Diese Frage ließ eine Verwandte bis heute nicht los. Die “Spur der Ahnen” machte sich auf die Suche und fand Hans Richard Levy.

Deutschland im November 1938. Spätestens nach der Reichspogromnacht ist klar, dass Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland schutzlos sind. Es ist die britische Regierung, die mit Hilfe einflussreicher Juden des Landes binnen weniger Wochen eine bis dato einmalige Hilfsaktion initiiert. Möglichst viele jüdische Kinder und Jugendliche sollen vor dem Terror der Nazis gerettet werden. Der Beginn einer Rettungsaktion, die unter dem Namen “Kindertransporte” in die Geschichte eingehen wird.
Im Kindertransport nach England davongekommen

Unter strengen Auflagen duldet das Nazi-Regime diese Transporte. Die Kinder dürfen nur einen Koffer mitnehmen, Spielsachen im Gepäck sind streng verboten. Auch der Abschied von den Eltern ist genau reglementiert. Sie dürfen ihre Kinder nicht bis zum Bahnsteig bringen, eine tränenreiche Verabschiedung ist verboten. Dabei ist es für die meisten das letzte gemeinsame Beisammensein. Viele Eltern haben ihre Kinder, die zu völlig fremden Menschen schicken mussten, nie wiedergesehen.

Auch von Dresden, Leipzig und Magdeburg aus gingen damals Züge mit jüdischen Kindern – zunächst reisten sie nach Holland, von dort aus wurden sie mit dem Schiff nach England gebracht. Auf einem der Transporte war auch der damals neun Jahre alte Hans Richard Levy aus Leipzig. Im Frühjahr 1939 hatte ihn seine Mutter zum Hauptbahnhof gebracht. Dass sie ihn je wiedersehen würde, glaubte niemand …

Marianne Wintgen sucht nach Hans Richard Levy

Nach eben diesem Hans Richard Levy sucht heute nun seine Verwandte Marianne Wintgen. In ihrer Familie wurde oft über den kleinen Jungen geredet, der über Nacht seine Familie verlassen musste. Was mit ihm geschah, blieb immer ein Geheimnis. Immer wieder fragten sich die Angehörigen: Hat er die Flucht überlebt? Konnte er irgendwo auf der Welt ein neues Leben beginnen? Mit Hilfe von “Die Spur der Ahnen” findet Marianne Wintgen heraus, dass Hans tatsächlich noch lebt. Es gelingt sogar, einen Kontakt zu ihm herzustellen. Und er ist sogar bereit, sie in Leipzig zu besuchen!

Ein letzter Abschied am Grab des Vaters in Leipzig

70 Jahre nach seiner Flucht aus Leipzig kehrt Hans Richard Levy zum ersten Mal in seine Heimatstadt zurück, um sich gemeinsam mit seiner Verwandten Marianne auf die Spuren seiner Kindheit im nationalsozialistischen Deutschland zu begeben. Er wird die Wohnung besuchen, in der er groß geworden ist, er wird die Fabrik seine Vaters wiedersehen, die in Teilen noch heute erhalten ist. Und er wird einen Ort aufsuchen, an dem er noch nie in seinem Leben war: Wenige Monate nach seiner Ausreise mit einem Kindertransport, starb sein Vater an den Folgen der Misshandlungen durch die Nazis. Nun möchte Hans am Grab von Berthold Levy ein letztes Mal Abschied nehmen.

“Die Spur der Ahnen” erzählt die Geschichte von Hans Richard Levy, Autorin Anett Friedrich begleitet ihn auf seiner schmerzlichen Reise zurück nach Hause und erinnert so an eine außergewöhnliche Hilfsaktion, der auch mehrere hundert Kinder aus Mitteldeutschland ihr Leben verdanken.

Der kleine Junge und die Nazis | Kindertransporte nach England
Quelle und weitere Informationen: http://www.MDR.de/ahnen/6809307.html

Update: Da die Dokumentation durch die ARD und die Captator Film GmbH gelöscht wurde, ist nur noch hier ein Trailer zu finden: http://www.mdr.de/ahnen/video18132.html

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    Richard Gauch
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    Das Buch zum Film Er war doch nur ein neunjähriger Junge: Hans Richard Levy Kindertransporte nach England 1938/1939 Autoren: Richard Gauch und Torsten Schleip Das Buch entstand mit freundlicher Unterstützung durch: Friedenszentrum Leipzig e.V., Friedensweg e.V., Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinte KriegdienstgegenerInnen, Landesverband Ost 86 S. Vorwort Im Rahmen meiner »Familienforschungen« erhielt ich auf meine Nachfrage hin von einem holländischen Vetter die Auskunft, dass unser gemeinsamer Leipziger Verwandter Berthold Levy am 10. November 1938 nach Buchenwald verschleppt worden sei. Mir war klar, dass dies kein zufälliges Datum war. Im Internet stieß ich auf die »Aktion Koffer« und lernte so Richard Gauch… Mehr anzeigen »
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