Das manipulierte Bild (3Sat Dokumentation 2016)

https://youtu.be/iEu_jckLIa0

Es war noch nie so leicht Medienprodukte zu fälschen, Lippensynchrone Video-Bearbeitungen ermöglichen es schon heute, Politikern und / oder Prominenten nie Gesagtes in den Mund zu legen. Gefälschte Bilder und Videos sind dabei kaum zu erkennen aber Software-Tools & Apps können uns dabei helfen.

Was die Filmindustrie begeistert, kann dann für die Öffentlichkeit zu einer echten Gefahr werden. War der ausgestreckte Mittelfinger des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis echt? Flirtete Angela Merkel wirklich mit Erdogan, und führte der ägyptische Präsident tatsächlich die Nahost-Friedensdelegation mit Obama an? Rätsel wie diese lösen Bildforensiker, Pixeldetektive und Bildforscher problemlos auf: Der Mittelfinger war echt, Merkel flirtete aber nicht mit Erdogan, sondern auf dem Originalbild mit Sarkozy, und der ägyptische Präsident war von der Staatszeitung von den hinteren Reihen nach vorn verschoben worden.

Bei Unfall-, Kriegs- und Katastrophenbildern wird der Echtheitsnachweis oft extrem schwierig. In vielen Fällen gelingt er aber trotzdem. Als Russland der Ukraine mit Satellitenbildern die Schuld am Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine zuschieben wollte, ergab eine bildforensische Untersuchung, dass die Raketensysteme nachträglich einmontiert worden waren. Anhand von GPS-Daten, Wetterlagen, Gebäuden oder Soldatenuniformen versuchen auch Spezialisten den Wahrheitsgehalt der Quellen zu überprüfen. Meist kein einfacher Job für Nachrichtenredakteure. Bei den heute-Nachrichten des ZDF beschäftigt sich Dara Hassanzadeh mit dem Wahrheitsgehalt von Bildmaterial. Oft dauert eine Recherche mehrere Wochen.

Manipulation und Meinungsmache schnell “montiert”: Andre Wolf aus Wien von der Internetplattform “Mimikama – Verein gegen Internetmissbrauch” ist so ein Spezialist. Er überprüft Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt, darunter derzeit viele Bildfälschungen zum Thema Flüchtlinge. In einem Fall, so Wolf, wurde in das Bild eines leeren tschechischen Bahnhofs eine Menschenmenge einmontiert, die aus einem Foto, das Trainsurfing in Indonesien zeigt, stammte. Die Bildunterschrift dazu: “Das ist ein Zug voll mit Flüchtlingen, die auf dem Weg nach Deutschland sind”. In einem weiteren Fall zeigen Aufnahmen eine aufgebrachte Menschenmenge in Kairo, die als Übergriff von Nordafrikanern in der Kölner Silvesternacht ausgegeben wurden.

In der Filmindustrie wird die Bildbearbeitung immer weiterentwickelt und leistet schon jetzt Beachtliches. Der Doktorand Justus Thies von der Universität Erlangen-Nürnberg arbeitet daran, in Echtzeit seine Mimik auf einen Politikerkopf zu übertragen. Noch ist die Software für die Filmindustrie störanfällig, aber – so sein Professor Marc Stamminger – eine vielversprechende Entwicklung. Mit diesem Programm könnten in Zukunft Videos so einfach wie Fotos bearbeitet werden.

Zahlreiche Kritiker warnen vor zuviel Leichtgläubigkeit und fordern eine entsprechende Medienerziehung. Darunter auch der Kunsthistoriker Matthias Bruhn von der Humboldt-Universität Berlin. Er hat die technischen Möglichkeiten von Bildfälschungen aus den vergangenen 100 Jahren untersucht und plädiert eindringlich dafür, das Fach Bildinterpretation wieder verstärkt an den Schulen zu unterrichten, damit die Heranwachsenden verstehen könnten, dass die Bilder eine eigene Realität darstellen.

Textquelle und weitere Infos: http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/188892/index.html

Quelle: “Das manipulierte Bild” 3Sat Dokumentation 29.09.2016, 43:27 min:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61712

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