Castor 2010 | Die Polizei setzt Interessen der Atomindustrie durch

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Der diesjährige Transport von 11 Castoren von La Hague nach Gorleben hat letzlich nur ein Ziel, die Zementierung eines Endlagerstandortes in einem völlig ueneigenetem Terrain. Sei es der dubiose politische Entscheidungsprozess, der Gorleben als Endlager fokussierte oder die nachgewiesenen Gasvorkommen im fraglichen Gebiet. Es ist schlicht und ergreifend gefährlich und fahrlässig Gorleben weiterhin als mögliches Atommüllendlager zu forcieren. Und auch ein weiterer selten erwähnter Aspekt spricht klar gegen Gorleben: Nur 18 Meter über dem Meeresspiegel und in unmittelbarer Nähe der Elbe liegend ist es in Zeiten steigender Meeresspiegel geradezu sinnbefreit in Gorleben hochradioaktive Substanzen zu lagern.

Gleisbesetzungen, Traktorblockaden, Schlagstockeinsatz und Massenproteste: Der Castor-Atommülltransport quer durch Deutschland in das Zwischenlager Gorleben ist am Wochenende auf massiven Widerstand gestoßen. Am Sonntag sind die Proteste in gewaltsame Zusammenstöße umgeschlagen. Als tausende Atomkraftgegner in einem Waldgebiet nahe Hitzacker die Schienen stürmen wollten, setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Demonstranten zündeten nach Angaben von Augenzeugen ein panzerähnliches Räumfahrzeug der Polizei an der Castor-Transportstrecke an.

Elf Stunden Verspätung

Am Sonntagnachmittag setzte der Transport seine Fahrt fort. Kurz vor 16 Uhr erreichte er Lüneburg mit rund elf Stunden Verstpätung. Der Zug mit elf Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll sollte von dort auf dem letzten 54 Kilometer langen Gleisabschnitt zur Umladestation Dannenberg weiterfahren. Dort versuchten am Nachmittag nach Polizeischätzung mehr als 5000 Demonstranten, die Gleise zu erreichen.

“Es beteiligen sich deutlich mehr Menschen, als wir gedacht haben”, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei in Lüneburg. Die Gesamtlage vor Ort sei “aggressiver als wir uns das erhofft haben”. Es habe am Nachmittag erneut Ausschreitungen gegeben aber nicht in dem Ausmaß wie am Morgen, sagte der Sprecher weiter.

Am Sonntagvormittag war der Transport ins Stocken gekommen. Wenige Kilometer vor der Umladestation hatten laut Polizei rund 250 Menschen begonnen, auf einer Strecke von sechs Metern die Steine aus dem Gleisbett zu entfernen, um die Strecke unpassierbar zu machen. 3000 bis 4000 Demonstranten standen der Polizei gegenüber, die massiv Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzt, um die Demonstranten von den Gleisen fernzuhalten. Die Aktivisten hätten ihrerseits die Polizeibeamten mit Signalmunition und Pyrotechnik angegriffen.

Ein Räumfahrzeug sei mit Teer übergossen und angezündet worden, möglicherweise mit Molotowcocktails, berichtete ein dpa-Fotograf. Der Polizei lagen hierzu am Sonntagmorgen auf Anfrage zunächst keine Angaben vor. “Die Situation ist noch nicht unter Kontrolle”, sagte ein Polizeisprecher. Die Atomkraftgegner sprachen von mehreren Verletzten. Die Polizei soll auch Wasserwerfer eingesetzt haben, aber nicht gezielt auf Demonstranten gerichtet.

Traktor-Blockade aufgelöst

Sicherheitskräfte lösten außerdem eine Traktor-Blockade von Bauern auf der möglichen Castor-Strecke auf. Die vier in Dannenberg-Splietau ineinander verkeilten Traktoren seien sichergestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sollten 50 Traktoren, die an der Straße standen, entfernt werden.

Die elf Container mit mit je 154 Tonnen hoch radioaktiven Atommülls sollen im Laufe des Sonntags im niedersächsischen Dannenberg eintreffen, um dann die letzten 20 Kilometer auf der Straße ins Zwischenlager Gorleben transportiert zu werden. Dort wird der Transport nicht vor Montagvormittag eintreffen. Der Zug, der am Freitag in Nordfrankreich gestartet war, hatte am Sonntagvormittag etwa acht Stunden Verspätung.

Größter Protest bisher

Die Fahrt war unter anderem in Hessen von Atomkraftgegnern südlich von Kassel verzögert worden. Zwei Castor-Gegner hatten sich dort von einer rund 75 Meter hohen Fuldatalbrücke über den Gleisen abgeseilt. Im Wendland nahe dem Atommülllager demonstrierten am Samstag Zehntausende Kernkraftgegner (50.000 laut Organisatoren, 25.000 laut Polizei). Der bisher größte Anti-Atom-Protest in der Region fand 1997 mit rund 20.000 Teilnehmern statt.

Das Video enthält Material von GrasWurzel.TV Text-Quelle: http://www.YouTube.com/user/Gehlen06

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