Burschenschaften & Studentenverbindungen | Vetternwirtschaft?

Bei dem Gedanken an studentische Verbindungen ist die Assoziation mit dem Elite-Gedanken nicht weit. Der Elitebegriff (lat. = Auswahl) kann von verschiedenen Standpunkten betrachtet werden. Zum Einen beschreibt er eine Zusammenfassung überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten), zum Anderen die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise in einer Gesellschaft (Machteliten). Ebenso kann der Elitebegriff im militärischen Zusammenhang genutzt werden, wobei er besonders ausgebildete und bewaffnete Truppenteile beschreibt.

Die meisten Mitglieder von Studentenverbindungen werden sich höchstwahrscheinlich unter dem funktionalen Elitebegriff einordnen. Dabei verkennen sie aber, was Qualifikation bedeutet. Letztlich besteht die Hauptfunktion der Verbindungen darin, gesellschaftliche Macht zu bündeln und unter den eigenen Mitgliedern zu verteilen.

Einige mögen in ihrer Erziehung auch eine besondere „Ausrüstung” oder „Bewaffnung” für den Kampf in der Gesellschaft sehen, irgendwelche relevanten Aussagen bezüglich der gesellschaftlichen Funktion lassen sich vom Standpunkt der letztgenannten Definition aber wohl nicht ernsthaft treffen. Deswegen wird im folgenden ausschließlich auf die Machtelitenbildung eingegangen.

Nach 1945 erstarkten die studentischen Verbindungen relativ schnell zu alter Blüte. Zunächst als nationalistisch und das Naziregime unterstützend eingestuft und daher verboten, wurden die Verbindungen Bündnispartner der Alliierten im Kampf gegen die „kommunistische Gefahr”. In der Folgezeit galten sie (zum größten Teil fälschlicherweise) als nicht belastet oder entnazifiziert.

Zügig konnten die „Alten Herren” daher ihre alten Seilschaften wieder in alter Form nutzen und Verbindungsbrüder teils offen, meist verdeckt, in gehobene Positionen hieven. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie und auf welcher ideologischen Basis beruhend die Korporierten heutzutage ihre Beziehungen spielen lassen und inwiefern sie hierbei Erfolg haben.

Die Einflussnahme und Postenschieberei in der Politik begann bereits mit der ersten deutschen Nachkriegsregierung. So waren in der Adenauer-Ära so viele Ämter in den Ministerien von Alten Herren aus katholischen Korporationen besetzt, dass der Ex-Bundespräsident Theodor Heuß den Satz prägte: „In Bonn wird Zufall mit CV geschrieben”. Denn während Mitglieder der Burschenschaften und Corps vor allem im Industrie- und Finanzsektor vertreten sind, lassen sich im CV neben Unternehmern und Geistlichen zahlreiche Politiker wieder finden.

Allein neun CVer waren als Mitglieder der christlichen Parteien im 14. Bundestag vertreten (zusätzlich zwei in der FDP). In den Eigenwerbungen der zum CV gehörenden Verbindungen wird auf das Berufperspektiven eröffnende Netzwerk verwiesen: „Im CV sind neben den genannten Persönlichkeiten über 30000 weitere Akademiker und Studenten aktiv, damit ist der CV einer der größten Akademikerverbände Deutschlands”.

Diese Dominanz macht sich vor allem in der Politik bezahlt. Insbesondere katholische (CV und KV), aber auch andere Korporationen, wurden in der Kohl-Ära seit 1989 kontinuierlich mit staatlichen Geldern unterstützt. Neben Korporationen aus dem evangelischen Wingolfbund, dem Bund Deutscher Ingenieure-Corporationen, dem musischen Sonderhäuser Verband erhielten vor allem CV- und dem KV-Verbindungen staatliche Zuschüsse von insgesamt 720.000 D-Mark.

Hierzu gehört auch die Förderung von politischen, korporationsspezifischen und eliteorientierten Tagungen, Schulungen und Seminaren. Diese tragen so bezeichnende Titel wie „Verbindungsarbeit und Nachwuchsarbeit”, „Chargenschulung mit Schwerpunkt Presse und Öffentlichkeitsarbeit” oder „Hat Deutschland zu wenig geistige Elite?”.

Ausschnitt aus dem Film “Der Untertan” nach dem Buch von Heinrich Mann. Dietrich Heßling kommt über einen Freund zu der schlagenden Verbindung Neu-Teutonia. Nach seinen Pflich Mensuren, will er sich nun einen Renomierschmiss holen.


Paukvorführung für madagassische Studenten aus Straßburg auf YouTube. Bester Kommentar in Sachen Selbstbestätigungspsychologie ist wahrschlich dieser von DerEsel1234:

“Die sind so fettig, die stinken wie Bagger- und sehen so aus. Hauptsache mal keine Ahnung haben und dann das Maul aufmachen. Nur weil ihr in keinen Bund reingekommen seid.”

Schon besser trifft es da der Kommentar von sickboyduke:

“Äh Hallo? über die werte und gebräuche von so manchem “burschibund” lässt sich streiten und diskutieren. aber alle über einen kamm zu scheren und son mist zu labern (völlig hergeholt :D) … vor allem tun die keinem anderen was. die besaufen sich doch nur untereinander… und fechten. die tun sich eher selber ne kaputte leber und narben an.”

Ob sich im Video oben wirklich “Rechtsradikale” unter die Burschen mischen wollten bleibt offen, da nicht anhand des äußeren Erscheinungsbildes gewertet werden kann. Auch passt diese Szene gut in das manipulative Bild von Provokateuren und von gezielter “Rechts-Links-Berichterstattung, welche einen sachlichen und offenen Diskurs zu den Themen nicht ermöglicht.

Trotz vermeintlich liberaler und dem Korporationswesen an sich feindlich gegenüber stehender politischer Ausrichtung sind auch in Parteien wie der SPD und den Grünen Mitglieder aus Korporationen vertreten. Als bekannteste Verbinder sind hier Johannes Kahrs (SPD – aktuell im Bundestag), Norbert Kastner (SPD – Oberbürgermeister Coburg) oder Rezzo Schlauch (Grüne) zu nennen.

Quellen und weitere Informationen hier: http://burschi-reader.gzehn.de/node6.html

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