Biosprit: Das Kartell des Schweigens | Report München 29.11.2010

Statt Urwald immer mehr Palmölplantagen. Palmöl für unsere Küchen, Kosmetik und Biokraftstoffe. report MÜNCHEN zeigt aktuelle Bilder aus Borneo und von der dortigen Ökokatastrophe. Eine verheerende Klimabilanz ist die Folge, doch Teile der EU-Kommission wollen das offenbar verschweigen.

Florian Siegert. Seit 15 Jahren kämpft der Geo-Wissenschaftler im Auftrag des Weltklimarates für den Regenwald. Und gegen die Feuerfronten in Indonesien. Prof. Florian Siegert, Ludwig Maximilians-Universität München: “Alles ist tot. Das Feuer hat sich, wie man hier sehen kann, einen halben Meter tief in den Torf hinein gegraben und ist unter den Bäumen durchgebrannt.”

Prof. Jürgen Schmid, Frauenhofer-IWES-Institut/Uni Kassel, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung: “Wir haben der Bundesregierung empfohlen, die Förderung von Biotreibstoffen komplett einzustellen.” Eine Ökokatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Das Land hier soll offenbar vollständig für Palmölplantagen geräumt werden. Auf einer riesigen Fläche, so groß wie das Saarland, sind Urwald und Torfsümpfe vollkommen zerstört, mit dramatischen Folgen für das Weltklima.

Prof. Florian Siegert, Geobiocenter LMU München: “Es wird geschätzt, dass durch Entwaldung ca. 20 % der gesamten CO2-Emissionen auf der Erde verursacht werden, und dabei spielen tropische Regenwälder eine sehr, sehr große Rolle.” Das Palmöl geht nach Europa, als Biosprit und Kraftstoff in Blockheizkraftwerken, für die die Kraftwerksbetreiber eine Menge Subventionen kassieren.

Palmöl mit einer verheerenden Klimabilanz – doch Teile der EU-Kommission wollen das offenbar lieber verschweigen. report MÜNCHEN liegen interne Unterlagen vor. Neue Erkenntnisse zur Urwaldvernichtung durch die Biosprit-Nachfrage wurden offenbar über Monate unterdrückt. Wörtlich heißt es in einer vertraulichen E-Mail: “Hypothetische Werte einer indirekten Landvernichtung… sollen aus dem Text entfernt werden”. Soll hier die ungebremste Vernichtung des Urwaldes verschleiert werden?

Die EU versteckt sich hinter der sogenannten Nachhaltigkeitsregelung. Ab 2011 soll für subventionierten Biosprit kein Primär-Regenwald mehr abgeholzt werden dürfen. Ein Etikettenschwindel mit Methode, denn diese Nachhaltigkeit gilt nur für Kraftstoffe. Wer aber Palmöl für Lebensmittel anbaut, muss auch künftig keine Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen.

Das bedeutet: Auch in Zukunft darf Regenwald für die Nahrungsmittelproduktion gerodet werden, auf den alten Plantagen wird dann Palmöl für Biokraftstoffe angebaut. Die Plantagen werden einfach umetikettiert, grün gewaschen. Die Abholzung des Urwaldes geht weiter.

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