Bio: Welches Essen ist gesund? (Diskussion Nachtcafe 17.08.2012)

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Allein in den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz mit Bioprodukten mehr als verdoppelt. Bio ist gut für den Menschen und gut für die Umwelt – so werden die Mast-Tiere besser behandelt, weniger Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt und somit das Grundwasser nicht belastet.

Wissenschaftler fanden heraus: Biosiegel trüben das Urteilsvermögen der Konsumenten, sie sind gleichsam das Placebo der Ernährung – und lassen die Produkte in besserem Licht erscheinen. Für so manchen Kritiker ist daher der Bioladen lediglich eine romantische Einkaufswelt für Besserverdiener.

Was ist dran am Biowahn? Muss unsere Ernährung nicht nur gesund, sondern auch nachhaltig sein? Welche Geschäfte werden mit Bioprodukten gemacht? Mit welchem Essen tun wir uns was Gutes?

Die Gäste:

Attila Hildmann war ein junger Mann mit großem Appetit auf Burger, Döner und selbst gemachte Braten. Als er mitten im Abitur war, starb sein Vater an Herzinfarkt. Das war für ihn der Auslöser, über Nahrungsmittel nachzudenken. Konsequent stellte er zuerst auf Bio um, später auf vegane Ernährung – und begann, neben seinem Physikstudium Kochbücher zu schreiben.

Ruckzuck war er 30 Kilo leichter: „Heute bin ich so fit, dass ich sogar am Ironman teilnehme!“

“Ich glaube Bio sollte generell Standard sein. Das ist nicht eine Frage, ob wir jetzt vegan werden oder Fleisch essen. Ich glaube Bio sollte generell Standard sein, denn meine Urururgroßteltern, die haben jeden Tag Bio gegessen.”, “Dieses abgefuckte System hat sich doch erst über die Jahrhunderte entwickelt: Dass wir diese riesigen Landflächen haben, das wir den Regenwald roden für Viehfutter…das ist für mich ein Skandal.”, “Wir sind in dieses System so reingewachsen und plötzlich ist es Normalität und Bio ist plötzlich ein Luxusprodukt, man redet von “Biowahn” usw. Das ist doch Unsinn! Es müsste doch eigentlich das Natürliche sein, alles andere ist doch krank! Bio müsste eigentlich die Grundlage sein!”

In Denny Reinhardts Leben dreht sich alles um die Wurst. Seit über 20 Jahren steht der waschechte Kreuzberger im Berliner Kultimbiss „Curry 36“ am Herd. Ob Bockwurst, Bulette oder Schnitzel – ein Leben ohne sein täglich Fleisch ist für Denny undenkbar. „Ich bin auch ohne Bio topfit,“ sagt der 47-Jährige. „Ganz ehrlich: Ich war noch nie in meinem Leben ernsthaft krank.“

Die Krankenschwester Walburga Neureuther erhielt vor zwei Jahren die niederschmetternde Diagnose: Magenkrebs in fortgeschrittenem Stadium. Sie entschied sich gegen den schulmedizinischen Weg und stellte stattdessen ihre Ernährung von Grund auf um. Heute nimmt sie ausschließlich Produkte in Bioqualität zu sich und verzichtet zudem auf Fleisch und Kohlenhydrate. „Wegen dieser Ernährung geht es mir heute gut. Ich bin nahezu symptomfrei“, sagt sie.

Dem konventionellen Landwirt Thorsten Nölle ist der Bioboom ein Dorn im Auge. Den Kunden werde eine Illusion verkauft: „Bei Bio denkt man an einen romantischen kleinen Bauernhof. So sehen die Betriebe aber nicht aus.“ Im Gegenteil: Die hygienischen Zustände ließen zu wünschen übrig, von Tierschutz keine Spur. Nölle, der auf seinem Hof fast 16 Millionen Eier im Jahr produziert, setzt statt Bio ganz auf regionalen Direktverkauf und viel Kontakt zu den Kunden.

Felix Prinz zu Löwenstein betreibt einen eigenen Naturland-Gutshof und sieht im Bio-Anbau die einzige Möglichkeit, in Zukunft die Welt zu ernähren. „Wenn wir weiterhin für Viehfutter den brasilianischen Urwald roden, wird der Hunger weltweit dramatisch zunehmen“, warnt der Landwirt in seinem Buch „Food-Crash“. Im Präsidium des Naturland-Verbandes engagiert er sich zudem für strenge Richtlinien im Öko-Anbau.

Bei Claudia Apfelthaler bleibt die Küche kalt: „Nahrungsmittel, die über 42 Grad Celsius erhitzt werden, sind tot!“ so die überzeugte Rohköstlerin. Was andere als Unkraut bezeichnen, mixt sie sich jeden Morgen zu einem „Green Smoothie“ zusammen. Energie bekommt die ehemalige Werbefachfrau aus Nüssen und rohem Gemüse. Selbst Torten stellt sie her, denn: „Ich bin ein Rohkost-Gourmet!“

Für Prof. Paul Nawroth vom Universitätsklinikum Heidelberg steht fest: “Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Bioprodukte gesünder sind.“ Vor diesem Hintergrund findet es der renommierte Stoffwechselexperte unverantwortlich, wenn die Biobranche sich als die gesündere Alternative darstellt. Der Trend zu Bio passt in Nawroths Augen gut in unsere Zeit, in der man möglichst viel Kontrolle über den eigenen Körper haben will.

An der Bar: Rosi Fellner sagt: „Jede meiner Hennen ist eine Persönlichkeit!“ Eine Ihrer steirischen Hühner-Damen stellt sie persönlich vor. Die Bäuerin stellte auf Bio-Anbau um, nachdem ihr kleiner Sohn sich an einem Maisbeizmittel lebensgefährlich vergiftete. Ihre Eier, Kräuter und den Honig ihrer eigenen Bienen kaufen die Kunden direkt auf ihrem Tiroler Hof.

Sendung vom Freitag, 17.8.2012 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Quelle und Text: http://www.swr.de/nachtcafe/-/id=200198/nid=200198/did=9482682/huyam3/

Bio: Welches Essen ist gesund? (Diskussion Nachtcafe 17.08.2012):
Bio, Essen, Diskussion, Nachtcafe, 2012

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