American Paradox

Wovon träumen junge Amerikanerl? Was wünschen sie sich für ihr Land und was für die Welt nach George W. Bush? Dazu werden Studenten der Universität von Berkeley, Kalifornien, befragt. “American Paradox” beweist die ungeheure Vitalität der US-amerikanischen Demokratie.

Entlang der Hauptallee des Campus der Universität von Berkeley, dem legendären Ort, von dem in den 60er Jahren das Free Speech Movement ausging, bauen seit Jahresbeginn täglich zwischen 10.00 und 15.00 Uhr die Vertreter aller politischen Gruppierungen ihre Stände auf, verteilen Flugblätter und diskutieren. Im Zentrum steht die im November anstehende Präsidentschaftswahl. Vor allem beim Thema Irak-Krieg geht es hoch her.

Sie sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, studieren Mathematik, Literatur oder Maschinenbau, sind Obama- oder McCain-Anhänger, bekennende Homosexuelle oder Abtreibungsgegner und alle vertreten ihre Sache mit größtem Engagement. Dabei darf jeder seine Meinung äußern. Romy, ein praktizierender Muslim, bekennt: “Ich fühle mich frei, als Moslem in den USA zu leben, und ganz besonders an dieser Universität, ich fühle mich frei, auch in der Öffentlichkeit zu beten und muslimisch gekleidet zu sein.”

Die junge Afro-Amerikanerin Roxanne sagt: “Noch einmal ein republikanischer Präsident? Das kann ich mir nicht vorstellen! Wenn doch, dann überlege ich mir ernsthaft, ob ich nicht auswandere.” Und begeistert fährt sie fort: “Stellen Sie sich mal vor: Dieses Amerika, das so tut, als gäbe es die Schwarzen nicht, das denkt, wir seien zu nichts nutze, würde von einem Schwarzen regiert! Das ist doch wahnsinnig aufregend!”

Auch der eingefleischte Republikaner Ross steht zu seinen Idolen: “Ich liebe George Bush, ich habe ihn von Anfang an verehrt und gehöre zu den wenigen, die ihn noch immer verehren. Er ist eine absolut integre Persönlichkeit, wie McCain steht er zu seinen Grundsätzen.”

Welchen Traum hegen diese jungen Menschen für ihr Land? Was glauben sie, deren Jugend vom 11. September und von den Kriegen in Afghanistan und im Irak geprägt wurde, verändern zu können? Vielleicht gibt Joe eine schlüssige Antwort: Seit der ehemalige Marinesoldat aus dem Irak zurückgekehrt ist, will er Journalist werden: “Ich habe den Eindruck, Bush handelt eher aus persönlichen und finanziellen Motiven, dient aber nicht den Interessen des Landes. Ich will die Leute aufklären, ich will ihnen zu einem besseren Verständnis der Lage verhelfen, darum will ich als Journalist arbeiten.”

Nuancenreich, differenziert und jenseits aller Klischees stellt die Dokumentation eine amerikanische Jugend vor, die viel widersprüchlicher und komplexer ist, als gemeinhin angenommen wird. American Paradox Dokumentation.




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Eine Antwort zu „American Paradox“

  1. Avatar von tammi

    ((Mann, was soll mir das Schlusswort dieser doku sagen?!)) Schon ein guter Einblick in die Denkweise von Amerikanern. Die Mischung der patriotischen und zugleich individuell-freiheitlichen Einstellung dieser Menschen ist bemerkenswert, weil dies auch ein Licht auf die Globalisierung,die Art der Umsetzung und die Motivation aller Beteiligten wirft. Internationale Zusammenarbeit darf nicht die Aufgabe von kultureller und nationaler Identität herbeiführen.(so wie wir das gerade zB.durch den Lissaboner Vertrag erleben)Ich lasse mich zB.nicht gern von anderen “Nationen” in einen Krieg schicken, in dem ich, meiner Meinung nach nichts verloren habe.(Und die missbrauchte Idee der Notwendigkeit einer Globalisierung schon gar nicht!) Es bleibt nach wie vor eine Aufgabe zu hoffen,und dafür zu arbeiten,dass Wir nicht als Kanonenfutter solcher Interessen enden, die auf Individualismus und Entscheidungsfreiheit des Einzelnen,”natürlich zum Wohl aller”, scheißen. Denn das ist zB.wirtschaftliche Realität. Konsequent(wenn auch idealistisch) fände ich es, wenn wir unsere “politisierte” Identität ablegen und dafür sorgen,dass Wir Wir und Unsinn Unsinn bleibt, weil es dazu etwas ANDERES braucht,als EIN nettes Gesicht im Pfuhl degenerierter Handelsreisender.Was nutzt mir eine globalisierte Zusammenarbeit, wenn die Motive und Absichten nicht der freiheitlichen Entscheidung der einzelnen Nationen und den tatsächlichen Notwendigkeiten entspringt.(nicht mal im Ansatz, wenn es um Hunger,Krieg,Bereitstellung von Ressourcen und Friedenserhalt geht.) So,das ich auch nein sagen kann. Können muss, wenn mich jemand für seine eigenen Interessen benutzen will.Wozu sollte ich Völker von ihren kulturellen Lastern und Schätzen “befreien”,wenn es wirklich darum geht, die globalen Ressourcen für ALLE zugänglich und nutzbar zu machen ?! Was ja nun, wohl nicht der politischen und wirtschaftlichen Realität entspricht!!Und Das dies alles so scheiße läuft,daran soll zB.der “radikale” islamismus, und/oder das “eigenbrötlerische” Verhalten einzelner Staaten und Kulturen schuld sein?!!! Frau Kallwass würde jetzt sagen : man kann den anderen nicht ändern, sondern nur sich selbst. Kulturelle Unterschiede zu überwinden, heißt für mich immer noch; nach Gemeinsamkeiten zu fragen. Der eigentliche Grund für Globalisierung beinhaltet genug Gemeinsamkeiten für alle. Die sind auch besser zu verhandeln! Sich heutzutage mit Politik zu befassen ist so furchtbar-langweilig, wenn es nicht so wichtig wäre.