Ägypten: Schlägertrupps und Straßenschlachten (mit Diskussion)

Nach tagelangen Demonstrationen ist die Gewalt auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo eskaliert: Zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Hosni Mubarak kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, Steine und Flaschen flogen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Mubarak-Anhänger hatten zuvor teilweise auf Pferden und Kamelen den Platz gestürmt und auf die Demonstranten eingeschlagen. Unter den militanten Mubarak-Anhängern waren nach Angaben des ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster auch Polizisten in Zivil. Mittlerweile wurden auch Molotow-Cocktails geworfen, auf Fernsehbildern waren mehrere Feuer zu sehen.

Reporter berichteten übereinstimmend von einer äußerst aggressiven Stimmung. Auch mehrere Journalisten wurden bedroht, wie ARD-Korrespondent Martin Durm berichtete. Menschen rissen Steine aus dem Straßenpflaster, um sich für weitere Auseinandersetzungen zu munitionieren. Bislang hielt sich das Militär vorwiegend zurück und unternahm kaum Anstrengungen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. CNN-Angaben zufolge kreisen die Mubarak-Anhänger die Oppositionellen auf dem Tahrir-Platz ein. Ein Reporter sagte, die Protestierenden steckten in der Falle. Die ARD-Korrespondenten mussten sich aus ihrem Studio zurückziehen und berichten nun aus einem Hotel, von dem die Auseinandersetzungen einzusehen sind.

Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei warf Präsident Mubarak eine Politik der Einschüchterung und kriminelle Methoden vor. Das Vorgehen der Mubarak-Anhänger gegen die Opposition sei “ein weiteres Anzeichen, dass sich ein kriminelles Regime krimineller Methoden bedient”, sagte ElBaradei der BBC. “Ich habe Sorge, dass es in einem Blutbad endet”, sagte ElBaradei. Die Pro-Mubarak-Demonstranten seien ein “Haufen Schläger”.

Die Proteste waren weitergegangen – ungeachtet einer Aufforderung des Militärs, die Demonstrationen einzustellen. Die Streitkräfte hatten am Vormittag erklärt, die Forderungen der Demonstranten seien bekannt und gehört worden – nun sollten die Demonstranten dem Land helfen und wieder zu einem normalen Leben zurückzukehren. Zugleich schalteten die Behörden wieder das Internet frei. Es war in den vergangenen Tagen erheblich eingeschränkt worden.

Die Zusammenstöße folgten auf die Ankündigung Mubaraks, mit dem Auslaufen seiner Amtszeit Ende September aus der Politik auszuscheiden. Er strebe keine neue Kandidatur an, hatte der 82-Jährige am Abend in einer TV-Ansprache erklärt. Er habe genügend Jahre im Dienste Ägyptens verbracht und deshalb auch niemals eine weitere Amtszeit angestrebt. Einen umgehenden Rücktritt lehnte er ab.

Dies traf auf den Widerspruch der Opposition. Mehrere Vertreter, darunter Friedensnobelpreisträger ElBaradei und Ex-Außenminister Amr Mussa erklärten, Mubarak habe keine Forderung des Volkes erfüllt. Die Muslimbrüder und die Jugendbewegung 6. April bekräftigten, sie würden weiter demonstrieren, bis Mubarak zurücktrete. Die Opposition kündigte für Freitag eine weitere Großdemonstration an.

Nach seiner Rede hatte Mubarak mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Anschließend forderte Obama Mubarak vor der Presse diplomatisch, aber unmissverständlich auf, einen “friedlichen Übergang” einzuleiten. Damit verdeutlichte der US-Präsident, dass Washington seinem engen Verbündeten die Unterstützung entzogen hat. Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte die Ankündigung Mubaraks. Im Bayerischen Rundfunk sagte er, es sei gut, dass dieser den Weg für einen Neuanfang frei machen wolle.

Ankündigungen für einen wirklichen Dialog nun auch konkrete Taten folgten und das Gespräch mit allen politischen Kräften stattfinde. Die Europäische Union forderte den ägyptischen Präsidenten auf, einen politischen Wandel in dem arabischen Land schnellstmöglich einzuleiten.

Quellen:
Lage in Kairo eskaliert | Mubaraks Kavallerie schlägt zu:
Text: http://www.tagesschau.de/ausland/mubarak128.html
Video: www.YouTube.com/user/DokuUndSo1

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