30 Jahre Mauerfall: ein SWR Reporter damals und heute unterwegs | SWR Doku

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30 Jahre Mauerfall: ein SWR Reporter damals und heute unterwegs | SWR Doku

Wenige Tage nach dem Mauerfall im November 1989 war SWR-Reporter Joachim Görgen nach Erfurt gereist, um dort über die Menschen zu berichten. Jetzt hat er sie nach 30 Jahren wieder getroffen.

Einen besonderen Vergleich zwischen der Wendezeit und dem Jahr 2019 kann der Mainzer SWR-Reporter Joachim Görgen ziehen. Sowohl im Jahr 1989 als auch heute im Jahr 2019 konnte er in der Mainzer Partnerstadt Erfurt Menschen interviewen, die die Wendezeit persönlich miterlebt haben, also den direkten Vergleich zwischen dem Leben vor und nach dem Zusammenbruch der DDR ziehen können. Keiner der Protagonisten wünsche sich die DDR zurück, sagt Görgen: „Alle drei sind der Meinung, dass es gut war, wie es gekommen ist und sind auch durchaus stolz auf ihre eigene Leistung.“
Matthias Büchner war Mitbegründer des „Neuen Forums“ und treibende Kraft beim demokratischen Umbruch im Herbst 1989. Heute arbeitet er wieder als Grafiker in Erfurt und gibt Seminare für die Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch den CDU-Politiker Hartmut Stolz trifft der Autor wieder. Der gelernte Bauingenieur hat sich damals für eine Neuausrichtung der Ost-CDU („Blockpartei“) engagiert und war lange Zeit Mitglied des Stadtrats. Später hat er sich in Erfurt als Bau-Unternehmer selbstständig gemacht. Der dritte Gesprächspartner ist Edelbert Richter: Der evangelische Pfarrer hat 1989 die neue Partei „Demokratischer Aufbruch“ mitbegründet, ist dann aber 1990 zur SPD gewechselt. Für die SPD saß er in der letzten DDR-Volkskammer und danach im Bundestag. Später hat er aus Protest gegen die Agenda 2010 die SPD verlassen.

Historische Aufnahmen aus dem Jahr 1989
Während die Oppositionsgruppen nach dem Fall der Mauer das politische System demokratisieren wollen, verlassen damals weiterhin viele DDR-Bürger*innen ihre Heimat. Im gesamten Jahr 1989 sind mehr als 340.000 in die Bundesrepublik geflohen. Im Westerwald hat die Bundeswehr im November 1989 das Lager Stegskopf geräumt, um auch dort DDR-Übersiedler unterzubringen. Zu sehen sind Aufnahmen der überfüllten Aufnahmelager in Freiburg und Bruchsal. Auch der Geschichte der Massenflucht aus der DDR spürt der Film nach und zeigt, wie schnell damals im Westen die „Willkommenskultur“ gekippt ist.

Großer Wandel in Erfurt
Nach der Wende seien allein in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt rund 10.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen. Aus dem ehemaligen Industriestandort sei inzwischen ein Dienstleistungszentrum geworden, berichtet der SWR-Reporter: „Erst jetzt hat Erfurt wieder so viele Einwohner wie vor der Wende.“ Es gebe auch heute durchaus auch diejenigen, die sich als Verlierer der Wende fühlten – auch wenn sie inzwischen vielleicht eine andere Arbeit gefunden hätten.

Diese Doku von Joachim Görgen haben wir am 7.11.2019 zum ersten mal ausgestrahlt unter dem Titel: Einheit Sofort! 30 Jahre nach dem Fall der Mauer.
Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seitdem nicht aktualisiert.

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